Runge & Scotland - Firmenchronik

1904

Gründung des Architekturbüros und Baugeschäfts unter der Firmierung Runge & Scotland in Bremen. Vorerst war das Geschäft in der Goethestraße 23 untergebracht, 1905 zog man in die Kirchbachstraße 213 um, um schließlich 1908 das selbstgebaute Atelierhaus in der Kirchbachstraße 203 als endgültigen Firmensitz zu beziehen.

1905

Bis zum ersten Weltkrieg widmeten sich Runge & Scotland hauptsächlich dem Bau von Landhäusern in Bremen und Umgebung. Die Auseinandersetzung mit dem englischen Landhausstil, der zu jener Zeit die bürgerlichen Bauten prägte, war auch im Werk Runge & Scotlands deutlich spürbar.

1906

Ludwig Roselius gründete in Bremen die Kaffee Handels-Aktien-Gesellschaft (kurz: Kaffee HAG) und holte Runge & Scotland als künstlerische Berater in sein Unternehmen. Sie entwarfen das erste Markenzeichen, den roten Rettungsring, und zeichneten für eine umfassende Werbestrategie im Sinne der Corporate Identity verantwortlich. Verpackungen, Dosen, HAG-Porzellan, Plakate, Inserate, Ausstellungsbauten und Kaffee HAG-Cafés nach ihren Entwürfen prägten das Erscheinungsbild des weltweit ersten koffeinfreien Kaffees bis in die 1930er Jahre hinein.

1907

Ausstattung von Luxuskabinen auf dem Schnelldampfer "Kronprinzessin Cecilie" des Norddeutschen Lloyd nach Entwürfen Runge & Scotlands.

1908

Alfred Runge gründete mit seinem Bruder Rudolf am 1. Juli 1908 in Osnabrück die Gartenmöbelfabrik Runge & Co. Am Geschäftssitz hatte der Vater Runges bereits ein Zimmerei- und Baugeschäft betrieben, das schon 1907 unter gleichem Namen Garten- und Verandamöbel nach Künstlerentwürfen fertigte. Als Inhaber der Firma wurde 1909/10 im Adressbuch der Stadt Osnabrück neben den beiden Brüdern auch Eduard Scotland genannt.

Runge & Scotland bezogen bei ihren Landhausentwürfen die Gartenanlagen ebenfalls mit in die Planung ein und entwarfen hierfür auch Gartenmöbel und Zubehör, die sie nun vermutlich in der eigenen Firma in Osnabrück produzieren ließen.

Die Zusammenarbeit der Gebrüder Runge währte allerdings nur wenige Jahre. 1911 trennte man sich wieder und Runge & Scotland ließen ihre Gartenmöbel u.a. von der Konkurrenz Beißbarth & Hoffmann in Mannheim fertigen.

1911

Für Kaffee HAG errichteten Runge & Scotland auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden ein Klubhaus.

1912/13

Ludwig Roselius beauftragte Runge & Scotland mit dem Umbau seiner Villa in Berlin-Grunewald. Ihnen oblag die Ausstattung des Herrenzimmers mit integrierter Bibliothek, des Salons und des Speisezimmers.

1914

Auf der Werkbund-Ausstellung in Köln waren Runge & Scotland mit dem von ihnen eingerichteten Kaffee HAG-Café im Bremen-Oldenburger-Haus vertreten. Darüber hinaus stellten Runge & Scotland auch mehrere Gartenmöbel-Garnituren aus, die von der Mannheimer Gartenmöbelfabrik Beißbarth & Hoffmann angefertigt worden waren.

Während des Ersten Weltkriegs konnte bislang keine regelmäßige Bautätigkeit Runge & Scotlands nachgewiesen werden.

1916

Ludwig Roselius plante seinen Umzug von Berlin zurück nach Bremen und beauftragte Runge & Scotland mit dem Umbau seines zuvor in der Bremer Bleicherstraße erworbenen Hauses.

1918

Runge & Scotland erstellten mehrere Entwürfe für Grabmäler, unter anderem für die Familie Roselius sowie für den Maler Ernst Müller-Scheeßel.

1921-1934

Den zweifellos wichtigsten und umfangreichsten Auftrag erhielten Runge & Scotland 1921 wiederum von Ludwig Roselius - die Neugestaltung der Bremer Böttcherstraße. Roselius plante hier unweit des Marktplatzes ein kulturelles Zentrum in Form von Ateliers, Kunsthandwerkbetrieben, Museen, Geschäften und Restaurants zu etablieren.

Die Arbeiten nahmen mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch und neben Runge & Scotland konnte Roselius auch den Bildhauer und Architekten Bernhard Hoetger für sein Vorhaben gewinnen.

Runge & Scotland zeichneten verantwortlich für den Umbau der ehemaligen Packhäuser (dem heutigen Haus des Glockenspiels), des Eckhauses an der Martinistraße, das 1931 in das Haus Atlantis integriert wurde, sowie für die Neubauten des HAG-Hauses und des Hauses St. Petrus. Zudem entstand nach ihren Entwürfen die komplette Innenausstattung dieser Gebäude, ebenso im Robinson-Crusoe-Haus, für dessen Architektur allerdings Ludwig Roselius selbst einige Entwürfe vorlegte, die dann vom Bremer Architekten Karl von Weihe weiter ausgeführt wurden.

Nach Entwürfen Bernhard Hoetgers wurden das Paula-Becker-Modersohn-Haus und das Haus Atlantis errichtet.

1922

Parallel zu den Arbeiten in der Böttcherstraße waren Runge & Scotland auch weiterhin als künstlerische Berater in der HAG-Werbeabteilung gefragt. Neue Entwürfe für Plakate, Inserate, Verpackungen und Geschirr verließen ihr Atelier. Darüber hinaus wurden ab 1922 in mehreren Städten Deutschlands Kaffee HAG-Cafés eröffnet, die nach den Entwürfen der beiden Architekten alle einheitlich eingerichtet waren. Das erste dieser äußerst exklusiven und bis ins letzte Detail abgestimmt ausgestatteten Cafés lag in der Bremer Sögestraße.

1924

Die 1920er Jahre gehörten zweifellos zu den produktivsten der Architektengemeinschaft. Neben Böttcherstraße und Kaffee HAG-Werbung engagierten sich Runge & Scotland weiterhin im privaten Wohnhausbau. Ihr Bauprogramm erweiterten sie nun um die Anlage von Wohnhausgruppen. Das größte Ensemble schufen sie 1924-1927 am Schwachhauser Ring.

1927

Seit 1927 entwarfen Runge & Scotland auch Jugendherbergen, Ferien- und Jagdhäuser, die in Bremen und Umgebung errichtet wurden.

1930-38

Auch in den 1930er Jahren bauten Runge & Scotland zahlreiche Wohnhäuser für wohlhabende Bürger in Bremen. Für einige Gebäude zeichnete ab 1935 Eduard Scotland als Professor für die Entwürfe allein verantwortlich, wobei die Bauausführung weiterhin in der Hand von Runge & Scotland lag.

1935

Eduard Scotland wurde zum Professor für Architektur an die ein Jahr zuvor gegründete Nordische Kunsthochschule in Bremen berufen. In dieser Funktion nahm er 1936 auch an mehreren Reichsleistungskämpfen teil und reichte z.B. Entwürfe für einen Erbhof in Oberneuland und einen Reichsnährstand in Goslar ein.

1936

Die Firma Runge & Scotland wurde erstmals in das Handelsregister eingetragen. Eduard Scotland war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an der von ihm mit gegründeten Firma beteiligt, Alfred Runge wurde als alleiniger Inhaber der Firma Runge & Scotland eingetragen. Eduard Scotland firmierte seinerseits als selbständiger Architekt und Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste in der Orleansstraße 34 in Bremen. Die ehemaligen Geschäftspartner wickelten aber bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges noch gemeinsam mehrere Bauprojekte ab.

1939-1945

Während des Krieges konnte Alfred Runge den Betrieb mit Wiederaufbau- und Ausbesserungsarbeiten aufrechterhalten. Eduard Scotland schied 1944 krank aus der Nordischen Kunsthochschule aus.

1945

Eduard Scotland starb am 20. Juni 1945.

1946

Alfred Runge wurde am 27. April 1946 in seinem Jagdhaus in Ahausen bei Rotenburg/Wümme ermordet aufgefunden.

1953

Erbstreitigkeiten um den Nachlass Runges und eine fehlende Nachfolgeregelung ließ die Firma Runge & Scotland nur noch wenige Jahre bestehen. Bauprojekte aus dieser Zeit sind nicht bekannt, 1953 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht.

Autorin: Kirsten Leuenroth